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von Udo Pollmer
Als Nahrungsergänzungsmittel hoch im Kurs steht derzeit ein Spurenelement: das Zink. Unabhängig davon, ob zusätzliches Zink notwendig ist oder eine Form dekadenter Geldverschwendung darstellt, zeichnet sich ab, dass die Deutschen immer seltener in den Genuss des Schwermetalls kommen. Die erste Einbuße erfolgte, als Edelstahl die vielen verzinkten Gerätschaften, wie beispielsweise Milchkannen, ablöste, die bereitwillig Zink an die Lebensmittel abgaben. Durch die Begrenzung der zulässigen Zinkzusätze im Tierfutter gelangt mit der Gülle weniger Zink auf die Äcker und schließlich in unsere Nahrung. Nicht zuletzt aber wird die Verwendung von Zinkoxid in der Zahnarzt- praxis mittlerweile kritisch gesehen, so dass auch diese orale Zufuhrquelle nach und nach versiegen dürfte. Doch wächst damit tatsächlich das Risiko einer Mangelversorgung? Sinn und Zweck der beispielhaft genannten Maßnahmen ist es, Umwelt und Verbraucher vor dem Schadstoff Zink zu schützen. Galvanisierte Behältnisse zum Aufbewahren von sauren Speisen waren in der Ver- gangenheit immer wieder Ursache von Vergiftungen. Die geplante Änderung der Futtermittelverordnung zielt darauf ab, die Böden vor einer weiteren Anreicherung zu schützen. Und nicht zuletzt kam das Zink in der Zahnmedizin ins Gerede, weil es in Wurzelfüllungen massive Kieferaspergillosen verursachte. Denn Zink ist ein essentieller Wachs- tumsfaktor für Mikroorganismen aller Art, insbesondere für Schimmel- pilze. Letztere benötigen das Spurenelement zur Bildung von Aflatoxinen, was dazu führt, dass etwa der Zinkgehalt von Getreide oftmals mit dessen Mykotoxingehalt korreliert.
Nutritional Immunity
Nun ist eine gewisse Menge an Zink nicht nur für manche Krankheits- erreger unverzichtbar, sondern auch für den Menschen selbst. Über die Regulation des Zinkhaushalts versucht der Organismus, sich einerseits gewisse Pathogene vom Leib und andererseits seine Stoffwechsel- funktionen am Laufen zu halten. Dementsprechend senkt er die Zink- spiegel bei Stress, Infektionen oder Entzündungen. Wenn also in Ländern der so genannten Dritten Welt lebensbedrohliche Infektions- krankheiten wie Malaria zusammen mit niedrigen Plasmaspiegeln an Zink beobachtet werden, erlaubt das noch lange nicht den Schluss, man könne die Malaria mit Zinkgaben heilen. Das Gleiche gilt für die Sichelzellenanämie. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller, an die Möglichkeit einer Nutritional Immunity zu denken. Natürlich fehlt es in Lehrbüchern nicht an eindrucksvollen Fotos von fehlernährten Kindern aus der Dritten Welt, die – glaubt man der Bildunterschrift – an Zink- mangel leiden. Satte Leser verwechseln Mangelernährung nicht selten mit Diät. Diese bedeutet aber nicht, dass die Menschen zu wenig Lebensmittel im Kühlschrank haben, sondern dass sie Verschimmeltes essen, auch mal Schalen mitverzehren und andere Produkte zu sich nehmen, die eigentlich nicht für die menschliche Ernährung geeignet sind. Sieht man sich die Fälle von Zinkmangel in der Dritten Welt genauer an, handelt es sich entweder um die Folgen von Diarrhöen oder aber um den Verzehr unzureichend verarbeiteter pflanzlicher Lebens- mittel. Diese weisen einen hohen Gehalt an Phytin auf, das sehr effektiv Zink bindet und damit zu einer mangelhaften Versorgung führt.
Phytinvergiftung
Die hohe Affinität des Phytins zum Zink trägt dazu bei, dass phytin- reiche Produkte bei chemischen Analysen als gute Zinkquelle erscheinen. Die so genannten Nährwerttabellen vermitteln daher den Eindruck, Vollkorn eigne sich für eine Zinkversorgung besser als Weiß- mehl. Zwar könne der Zinkgehalt des Vollkorns vom Körper nicht voll ausgeschöpft werden, dennoch sei dieses so reichlich in den Rand- schichten enthalten, dass ein Nettonutzen bliebe – ein Trugschluss, dem nicht wenige Experten aufgesessen sind. Detaillierte Studien ergaben, dass phytinreiche Speisen nicht nur wenig Zink liefern, sondern dem Körper das Spurenelement sogar entziehen. Neben dem Alkoholismus stellt phytinreiche Kost die einzige echte alimentäre Ursache von Zinkmangel in unserer Gesellschaft dar. Zur Therapie sind freilich nicht Supplemente gefragt, sondern eine Ernäh- rung, die auf Gesundheitseskapaden verzichtet. Eine Ausnahme gilt allenfalls in der Schweinemast: Selbst der Verdauungstrakt des Schweines vermag die ständige Zufuhr phytinreicher Futtermittel wie Getreide nicht zu verkraften. Deshalb gibt’s für die Rüsseltiere nach wie vor eine Zinkzulage in den Trog.
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