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von Udo Pollmer
Creme de la caque
Und warum ist nun die „bildungsferne“ Unterschicht dicker? Ganz einfach: Menschen, die körperlich arbeiten, sind meist kräftiger gebaut als schmalschultrige Büromäuse. Nicht zufällig langen Bauarbeiter oder Bullenmäster beim Essen anders hin – schließlich müssen sie ja noch arbeiten, damit wir ein Dach über dem Kopf und ein Steak in der Pfanne haben. Und natürlich gilt der Bildungs- und Sozialstatus körperlich arbeitender Menschen als niedriger im Vergleich zu jenen, die die Arbeitenden verwalten. Herr Seehofer hat mit seinem Milchmädchen- report nur festgestellt, dass die Menschen, die in diesem Lande die Drecksarbeit machen, die Dummen sind. Der Staat hätte wohl lieber ein Volk von kalorienzählenden Klugscheißern. Denn die zählen sich selbst natürlich zur Oberschicht – die fettfreie Creme de la caque ...
Was aber ist mit den Heerscharen von dicken Kindern, die uns allerorten in den Medien verfolgen? Die sind das Resultat einer statistischen Besonderheit. Was glauben Sie, wo in Europa die dicksten Kinder leben? Etwa dort, wo es die meisten Fastfood-Restaurants und Computer gibt? Nein, im Musterländle des Gesundköstlers: auf Kreta. Die schlanksten hingegen leben im nördlichen Europa (siehe Abbildung 3). Warum ist das so? Nun: Skandinavier sind hochaufgeschossen, Südspanier haben einen eher gedrungenen Körperbau. Je trockener und heißer die Region, desto kompakter der Körper. Vermutlich, weil dieser dadurch weniger Schweiß zur Kühlung benötigt und somit weniger Wasser verliert. 
Wie sieht die Lage in Deutschland aus? Das hängt wesentlich von der Heimat unserer Zuwanderer ab. Kommen sie aus Finnland oder aus dem Mittelmeerraum? In den Schulen sehen Sie das Resultat von Immigration und Kinderzahl (siehe Abbildung 4). Da Immigranten meistenteils in der Unterschicht landen und im Gastland körperliche Arbeit verrichten, ist das ein weiterer Grund, warum in den unteren Schichten der BMI höher und der Bildungsgrad niedriger liegt. Seehofer hat in seiner Studie Daten über Daten gehäuft, aber leider haben seine Experten vergessen, ihren Zahlenwust nach ethnischen Einflüssen und nach Körperbau zu differenzieren. Sonst wäre sein Report im Müll gelandet.

Da sich die Immigranten nicht gleichmäßig über alle Regionen der Bundesrepublik verteilen, sind auch die Ergebnisse zu den Veränderungen des BMI bei Kindern recht unterschiedlich. Beispiel: die aktuellen Daten des Landesgesundheitsamtes von Brandenburg (siehe Abbildung 5 und 6). Und was sehen wir? Etwa eine Epidemie?
Jugendlicher Leichtsinn
Die Forderungen nach Gewichtskontrolle hinterlassen über kurz oder lang bei unseren Kindern Spuren. In den Grundschulklassen hungern sie um die Wette. Aus den Gymnasien berichten Lehrer, dass immer mehr Teenies den Finger in den Hals stecken, um eine „Top-Model“-Figur zu bekommen. Nach vorliegenden Untersuchungen zeigt in den Großstädten jede dritte Gymnasiastin klare Anzeichen einer beginnenden Essstörung. Die Schülerinnen kotzen und greifen zum Zweck der Gewichtskontrolle zu Zigaretten, Medikamenten oder Drogen (vgl. EU.L.E.n-Spiegel 2004/H.6/ S.7ff). Nicht umsonst sind Alkoholiker und Drogenabhängige meistens bewunderswert schlank – nach derzeitigem ministerialen Sachstand also löbliche Vorbilder für die Jugend. Hier geht es nicht um jugendlichen Leichtsinn, sondern um Entwicklungen, die leicht in lebensbedrohliche Zustände umschlagen können. Es geht, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, nicht um Moppelchen oder Barbiepüppchen, sondern um Leben und Tod.

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