Ausgabe Eulenspiegel 1/2005 S.15
Glykämischer Index

Stressfreier Diabetes

Fazit zum Glykämischen Index

1. Der GI ist keine geeignete Messgröße für den Blutzuckerverlauf, da er bereits beim Verzehr ein und derselben Nährstoffe bzw. Lebensmittel stark schwankt. Für Mahlzeiten lässt er sich folglich auch nicht berechnen. Die Glykämische Last ist ebenfalls unbrauchbar, weil sie aus dem GI abgeleitet wird.

2. Es ist nicht möglich, aus dem GI auf die Höhe der Insulinaus- schüttung zu schließen. So bewirken proteinreiche Lebensmittel, die einen niedrigen GI aufweisen, manchmal einen sehr hohen Insulinscore. Daher lässt sich durch gezielten Verzehr von Lebensmitteln mit niedrigem GI kein Insulin „sparen”. Im Gegenteil: Low-Carb-Produkte, in denen Kohlenhydrate durch Proteine ersetzt wurden, dürften mehr Insulin locken als ihre kohlenhydratreichen Originale.

3. Eine kohlenhydratarme Kost eignet sich nicht zur Vorbeugung von Insulinresistenz. Diese ist in erster Linie genetisch bedingt und wird zusätzlich durch eine Vielzahl von Stressfaktoren gefördert. Die Ernährung spielt dabei kaum eine Rolle.

4. Bei Diabetes sind GI-basierte Kostformen dem Zählen von Broteinheiten überlegen, weil sie die Ernährung der Patienten erleichtern und allein dadurch weniger Blutzuckerkrisen auslösen. Damit ist erwiesen, dass Ernährungsvorschriften ein umso größeres gesundheitliches Risiko darstellen, je restriktiver sie sind.

5. Bis heute fehlen evidenzbasierte Beweise, dass Low Carb erfolgreich und risikoarm schlank macht. Die bisher berichteten kurzfristigen „Abnehmerfolge” sind auf eine Kalorienreduktion zurückzuführen.


6. Obwohl eine kohlenhydratarme Kost für die Mehrzahl der Menschen keinen Nutzen bringt, kann eine Minderheit von ihr profitieren. Dazu gehören Personen, die ihrem Körper die fettreiche Kost vorenthalten, nach der er verlangt. Langfristig ist ihnen jedoch weniger mit Low Carb oder der ursprünglichen fettreichen Atkins-Diät geholfen als vielmehr damit, dass sie ihrem natürlichen Appetit auf Butter, Wurst oder Käse nachgehen.

Inhalt der Ausgabe

Glykämischer Index

- Womit wir rechnen
  müssen

- Fauler Insulinzauber

- Low-Carb-Techno-
  logie: eine brotlose
  Kunst

- Verunglyxte Diät-
  erfolge

- Stessfreier Diabetes

- Fazit

Facts und Artefacts & In aller Kürze
- Folsäure: vom
  Schlag getroffen
- Snack und Fast-
  Food: doch keine
  Sünde
- Babykost:
  Geschmackssachen
- Wahnsinn:
  Verrückt durch
  Bakterien
- Rohrpost: Vom
  Darm ins Hirn
- Antioxidantien:
  gefloppt
- Hyperaktivität:
  Farbenfrohe Unruhe

Die besondere Erkenntnis
- Volle Schubladen -
  leere Köpfe 

Impressum 

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