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von Dr. Manfred Stein
Die Deutschen lieben ihre Tiere. Ein Heer von Züchtern und international agierenden Importeuren bedienen teils legal, teils illegal die wachsende Nachfrage. Mittlerweile bevölkern 7,8 Millionen Katzen, 5,3 Millionen Hunde und 6,3 Millionen Kaninchen, Mäuse, Meerschweinchen usw. deutsche Haushalte. Hinzu kommen 3,8 Millionen Ziervögel, 1,95 Millionen Aquarien mit Fischen sowie 420 000 Terrarien, in denen sich Reptilien und Amphibien tummeln. Daneben sorgen 1,4 Millionen Gartenteiche und eine unendliche Zahl von Vogelfutterhäuschen bzw. -tränken für einen intensiven Kontakt zur Kreatur. Nicht zuletzt gibt es den Trend, Tiere aus der Landwirtschaft – wie Hühner, Enten, Ziegen, Schafe und (Mini-)Schweine – im Garten zu halten, ohne ihre spezifischen Bedürfnisse zu kennen. Betreut werden sie meist von Kleintierpraktikern, die mit Geflügel-, Schweine- und Ziegenerkrankungen nicht vertraut sind.
Wenn Katzen kratzen Tiere erfreuen den Menschen – und infizieren ihn, wobei die Angelegenheit wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Nach groben Schätzungen können etwa 800 Erreger und damit hunderte von Krankheiten vom Tier auf den Menschen übergehen. Viele dieser teils exotischen Zoonosen werden vom Hausarzt nicht erkannt, da es an Fortbildung und geeigneten Labortests fehlt. Zum Glück ist ein Teil der Erkrankungen „selbstlimitierend“ und heilt von alleine ab. So beispielsweise die „Katzenkratzkrankheit“ durch das Bakterium Bartonella henselae. Die Keime gelangen mit Flohkot ins Katzenfell und mit dem Streicheln an die Hände und unter die Fingernägel der Katzenfreunde. Über winzige Verletzungen dringen sie dann in den menschlichen Körper ein. Auch an den Krallen der Katze kann sich Erregermaterial befinden. An der verletzten Hautstelle treten dann schmerzlose kleine, rotbraune Punkte auf, die häufig zunächst als Insektenstiche fehlgedeutet und behandelt werden. Bei Kindern entwickeln sich gelegentlich schlecht heilende Hautknötchen, geschwollene Lymphknoten oder sogar unter Umständen Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Vor allem in diesen Fällen ist eine Behandlung mit Antibiotika nötig.
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