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von Jutta Muth
Am Chili scheiden sich die Geister noch stärker als am Knoblauch. Was hierzulande als höllisch scharf empfunden und äußerst sparsam zudosiert wird, ist andernorts so wichtig wie das Salz in der Suppe: Bei etwa anderthalb Milliarden Menschen stehen die pikanten Schoten täglich auf dem Speiseplan. In vielenTeilen der Welt hat Chili wenn nicht Kult-, so doch Kulturstatus. In Äthiopien gilt er gar als Nationalgewürz.
Nachdem scharfes Essen lange Zeit auf tropische Länder beschränkt war, verlangen inzwischen auch immer mehr Europäer und Amerikaner nach Chilipulver, Tabascosoße und eingelegten Peperoni. In den USA, wo früher nur die Südstaatler scharf aßen, steigt die Zahl der Chilifreunde landesweit an. Anfang der 90-er Jahre überrundete der Verkauf von Salsa sogar den Absatz von Ketchup. Die Begeisterung für Chilis ist bei vielen US-Bürgern so groß, dass sie das strikte amerikanische Importverbot für Lebensmittel missachten und die begehrten Früchte eigens aus Südamerika einschmuggeln.
Ring of fire
Das Chilifieber hat auch Deutschland erfasst. Mit Aktionen wie „Los Wochos” oder Grillspezialitäten à la „Mexiko Hot” erfreuen die beiden größten Fast-Food- Ketten ihre Kundschaft regelmäßig mit extra scharfen Burgern und Co. Mexikanische und thailändische Restaurants finden sich mittlerweile in fast jeder Kleinstadt. Und in den Supermärkten wimmelt es nur so von Knabberartikeln, die auf ihrer Packung mit feurigen Schoten werben.
Wem heute die oftmals beachtliche Auswahl an frischen, getrockneten oder eingelegten Chilis in den Feinkostabteilungen nicht ausreicht, der pilgert zum Münchner Viktualienmarkt, einem Eldorado für Feinschmecker. Doch auch jenseits des Weißwurstäquators stehen die Fans der scharfen Frucht nicht mehralleine da: Über das Internet haben sie sich zu einem eigenen Netzwerk zusammengefunden, dem so genannten „ring of fire”. Es dient unter anderem dem Informations- austausch über den Anbau besonders hochwertiger Chilis im eigenen Garten. Dass es trotz solcher kulinarischen Fortschritte mit der Schärfe noch nicht weit her ist, beweist eine Frankfurter Würstchenbude: Dort sind im Preis einer scharfen Wurst gleich die Tabletten zur Bindung der überschießenden Magensäureproduktion inbegriffen.
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