Freilandhaltung bei Hühnern: Spiel mit dem Risiko


Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg): Evaluierung alternativer Haltungsformen für Legehennen. Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft 2004/H.8


Die alternative Legehennenhaltung ist mit großen hygienischen Problemen verbunden, die ein erhebliches Produktionsrisiko bergen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt der Landesanstalten für Landwirtschaft von Bayern, Sachsen und Thüringen. Wie die zweijährige Untersuchung von insgesamt 34 Herden mit einer Größe von 500 bis 20 000 Hennen ergab, trugen vor allem Infektionskrankheiten zu auffällig hohen Tierverlusten von bis zu 37 Prozent bei. In den Problemherden kam es zu starken Einbrüchen der Legeleistung und damit zu schweren wirtschaftlichen Einbußen.
„Die Freilandhaltung stellt die riskanteste und schwierigste Produktionsform dar”, beklagen die Autoren. Der Grund: Freilandhennen sind im Vergleich zu Boden- oder Volierengeflügel deutlich öfter mit Darmparasiten und Bakterien infiziert. So waren in Freilandherden am Ende der Legeperiode mehr als die Hälfte der Tiere von Spulwürmern und knapp die Hälfte von Blinddarmwürmern befallen, was sich in einer oftmals hochgradigen Darmentzündungsrate von 35 Prozent widerspiegelte.
Ähnlich erschreckend fielen die bakteriellen Befunde aus. Knapp 36 Prozent der Tiere in Freilandhaltung mussten ein-oder mehrmals mit Antibiotika behandelt werden. Überprüfungen der inneren Organe ergaben bei knapp fünf Prozent der Proben einen Befall mit Escherichia coli. Andere pathogene Keime wie Salmonella enteritidis, Streptokokken und Pasteurella multocida fanden sich ebenfalls bei Freilandgeflügel mit Einstreu im Stall. Von einer hohen Keimbelastung zeugten auch die gelegten Eier. Im Vergleich zum konventionellen Käfigei mit weniger als 1500 kolonienbildenden Einheiten pro Gramm Eischale brachten es Eier aus alternativer Haltungsform im Mittel auf 10 000. Die Kontamination nahm mit dem Lebensalter der Legehennen zu: Nach der ersten Mauser erreichte sie bei Freilandgeflügel einen Rekordmittelwert von über 100 000, bei ökologisch gehaltenen Herden gar mehr als 600 000.
Anmerkung: Seit Jahren mehren sich die Anzeichen dafür, dass bei der alternativen Hennenhaltung sowohl Tiergesundheit als auch Produkt- qualität auf der Strecke bleiben. Um den Infektionsdruck zu senken, raten die Autoren vor allem zu Reinigung und Desinfektion – also zu Maßnahmen, die insbesondere bei der Freilandhaltung erfolglos bleiben dürften. Denn diese ist bewusst darauf ausgelegt, die Tiere vermehrt mit ihrer Umwelt in Kontakt zu bringen, was zwangsläufig ein Infektions- risiko bedeutet. Außerdem bleibt selbst bei verbesserter Hygiene eine weitere Hauptursache für die hohen Tierverluste in alternativen Haltungssystemen bestehen: der Kannibalismus. Das sehen auch die Autoren ein und schließen deshalb mit der Forderung, dass das Kupieren von Schnäbeln notwendigerweise fortgesetzt werden müsse.

Ausgabe Eulenspiegel 4/2005 S.17
Freilandhaltung bei Hühnern:

Spiel mit dem Risiko

Inhalt der Ausgabe

Folsäure
- Schwangere in der
  Pflicht

- Mangel auf Empfeh-
  lung
EPIC-Studie
- Strich durch die
  Rechnung
Schlachttechniken
- Suche nach dem
  sanften Tod

Facts und Artefacts & In aller Kürze
- Freilandhaltung:
  Spiel mit dem
  Risiko

- Acarbose
  weiterhin fragwürdig
- Jod: Vom Mangel
  zum Überschuss
- Luftverschmutzung
  durch Bäume
- Bitterresistenz
  durch Malaria
- Reizdarm durch
  blinde Passagiere

Die besondere Erkenntnis
- Duft der Verdauung

Impressum 

Huhn
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