Ausgabe Eulenspiegel 5/2007 S.22
Zahngesundheit-Prophylaxe:

Harnsäure statt Flavonoide

Zahngesundheit-Prophylaxe: Harnsäure statt Flavonoide

Lotito SB, Frei B: Consumption of flavonoid-rich foods and increased plasma antioxidant capacity in humans: cause, consequence, or epiphenomenon? Free Radical Biology & Medicine 2006/41/ S.1727-1746

Warum sind Obst und Gemüse gesund? Klarer Fall: Weil sie jede Menge Flavonoide enthalten, die im menschlichen Körper böse Radikale fangen. Doch tun sie das wirklich? Oder handelt es sich bei alledem nur um ein Ernährungsmärchen? Wissenschaftler von der Universität von Oregon kommen nach einer umfangreichen Literaturanalyse zu folgendem Schluss: „Es scheint höchst unwahrscheinlich, dass Flavonoide in vivo einen wesentlichen Beitrag zum Schutz des Plasmas und anderer, extrazellulärer Flüssigkeiten vor Oxidationen leisten können.“ Zwar könnten die Pflanzenstoffe im Reagenzglas tatsächlich ein gewisses antioxidatives Potenzial entfalten. Im menschlichen Körper jedoch sehe das ganz anders aus.

Denn einerseits werden die Flavonoide aus der Nahrung nur in äußerst geringen Mengen resorbiert. Andererseits werden die meisten Pflanzenstoffe im Darm und in der Leber metabolisiert, was ihre antioxidativen Eigenschaften häufig beeinträchtigt. Bereits im Blut sind sie daher, selbst nach regelmäßigem Verzehr besonders flavonoidhaltiger Kost, nur in geringen Konzentrationen messbar. Die Folge: „... wenn überhaupt tragen die Flavonoide nur wenig zu einer Steigerung der antioxidativen Eigenschaften des Plasmas bei ...“

Diese geht stattdessen auf einen Stoff zurück, der bislang ein eher negatives Image hatte: die Harnsäure. So steigt die Harnsäurekonzentration im Plasma nach dem Verzehr von Lebensmitteln merklich an, die Fruktose, Saccharose oder Sorbitol enthalten. Wie wichtig der angeblich riskante Stoff für den menschlichen Körper ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass er in den Nieren zu über 90 Prozent rückresorbiert wird. Demnach wäre Fleisch als wichtiger Harnsäurebildner ebenso vorteilhaft wie Zucker.

Anmerkung: Dass die sekundären Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse gar nicht daran denken, sich im Körper von Gesundheitsbewussten anzureichern, beweist auch eine aktuelle Studie mit 31 Vegetariern und 58 Gemischtköstlern aus Nordirland. Ihr Fazit: „Der antioxidative Status war bei Vegetariern und Allesfressern ähnlich“ – und das, obwohl sich unter den teilnehmenden Vegetariern sechs Veganer befanden. (European Journal of Clinical Nutrition 2007/61/S.1011-1022) Angesichts dieser Resultate stellt sich die Frage, ob „gesunde Antioxidanzien“ wie Flavonoide nicht eher schädlich sind. Die Tatsache, dass sie in der Leber ähnlich verstoffwechselt werden wie Xenobiotika, deutet darauf hin, dass der Körper die Pflanzenstoffe als potenziell toxisch einstuft.

Inhalt der Ausgabe

Zahngesundheit
- Prophlaxe: Auf den
  Zahn gefühlt

- Bei Lichte besehen
- Von der Karies zur
  Erosion: Süßes,
  Säfte, Säuren
- Lecker Speichel
- Xerostomie:
  Da bleibt die
- Wunderliches:
  zahnverschonende
  Kaugummis
- Mitten ins Herz:
  Paradontitis
- Heute schon
  geputzt?

Facts und Artefacts & In aller Kürze
- Kaviar inKetten
- Der Duft der Diät
- Impotent durch
  Tomaten
- Harnsäure statt
  Flavonoide

Der besondere Erkenntnis:
- Models: Außen hui,
  innen pfui

Impressum

Gebiss02
Gemuese02
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  E rnährungswissenschaften e.V.

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