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Schnitzeljagd: Auf der Fährte der Ökobilanzen
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von Tamás Nagy
Der aufgeklärte Biokunde hat’s schon immer gewusst: Lebensmittel aus dem Naturkostladen sind nur deshalb so teuer, weil konventionelle Produkte scheinbar billig sind. Denn der chemisch-synthetische Landbau verschmutzt die Umwelt und verursacht damit Reparaturkosten, für die letztlich der Steuerzahler aufkommt. Würden aber die „externen“ Kosten im Supermarkt beglichen, gäbe es praktisch keinen Preisunterschied mehr zwischen Bio und konventioneller Ware. Als Beweis für diese ökologisch-ökonomischenZusammenhänge gelten so genannte Ökobilanzen, in denen die Umweltwirkungen eines Produktes erfasst und in Kosten umgemünzt werden.
Den „verborgenen Kosten“ im Essen hat sich nun auch eine „finanziell und politisch unabhängige“ Organisation angenommen, die sich sonst mit Vorliebe gegen „versteckte Gentechnik“ wehrt: Foodwatch. Die selbsternannten „Essensretter“ beauftragten das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) mit derÖkobilanzierung eines Schnitzels. Das nötige Kleingeld spendierte eine „Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH“. Heraus kam eine 130-seitige Studie, die laut Foodwatch folgendes Ergebnis erbrachte: „Die extremen Preisunterschiede zwischen Schweinefleisch in Ökoqualität und konventionellem Schweinefleisch kommen dadurch zustande, dass die bei der konventionellen Fleischerzeugung vergleichsweise hohen Kosten für Umweltschäden nicht eingerechnet werden und dass für Ökofleisch deutlich höhere Verarbeitungs- und Vertriebskosten anfallen.“5
Dieses Fazit setzt offenbar auf die Naivität der Klientel, die auf die erlernten Schlagworte die gewünschten Reflexe zeigt. Denn insgesamt fiel der Anteil der berechneten „externen“ Kosten am Gesamtpreis eines Schnitzels geradezu lächerlich gering aus – ganz egal, ob es sich dabei um ein konventionelles oder biologisches Schnitzel handelte (siehe Abbildung auf Seite 21). Für die Preisdifferenz von fast 90 Prozent waren völlig andere Faktoren verantwortlich. So hatte das Bioschnitzel nicht nur höhere Verarbeitungs- und Vertriebs-, sondern auch höhere Produktionskosten aufzuweisen.7
Vom Hörensagen
Den Berechnungen zufolge verursacht ein konventionelles Schnitzel dennoch mehr Umweltkosten als ein Bioschnitzel. Stimmt also zumindest die Behauptung, dass Bio umweltfreundlicher ist? Wer einen Blick in das Nachwort der Arbeit wirft, wird skeptisch. Dort gestehen die Autoren unumwunden ein: „Zur ökologischen Schweineproduktion und -vermarktung und zu bestimmten Aspekten der konventionellen Produktion liegen nur sehr wenige oder keine veröffentlichten Daten vor. Diese Studie war daher nur möglich, weil eine Reihe von Expertinnen und Experten bereit waren, ihr Wissen in Interviews und auch schriftlich zur Verfügung zu stellen.“7 Es handelt sich also primär um das Ergebnis einer Meinungsumfrage unter Auskunftswilligen der zu bewertenden Branche. Diesen direkten Weg zum richtigen Ergebnis kennt auch Guido Haas vom Institut für Organischen Landbau an der Universität Bonn: „Trotz der Vielfalt an Umweltwirkungskategorien und Indikatoren muss die Ökobilanz ‚machbar’ sein. Da zumeist keine Messdaten zur Verfügung gestellt werden können und eigene Messungen nicht durchführbar sind, ist eine pragmatische Vorgehensweise notwendig. Deshalb wird von einer Abschätzung und nicht von einer Messung der Umweltwirkungen gesprochen.“6
Doch das allein genügte noch nicht, um „Bio“ den ökologischen Persilschein zu erteilen. Denn auch Ökoschnitzel haben ihre ökologischen Tücken: Ein größerer Flächenverbrauch für den Anbau, da die Erträge – auch von Futtermitteln – geringer ausfallen. Zudem brauchen die Tiere mehr Futter. Der Flächenfaktor ist überall dort von Bedeutung, wo Böden knapp sind. Die Pachtpreise in Deutschland sprechen hier eine deutliche Sprache. Weil die Landwirtschaft hierzulande rund 54 Prozent der gesamten Landesfläche beansprucht, ist ihr Flächenverbrauch eine wichtige Umweltwirkung.
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Demgegenüber sind sowohl der Energieverbrauch als auch die Treibhausgas-Emissionen mit einem Anteil von 3,5 und 8,5 Prozent am jeweiligen Gesamtwert eher nachrangig.6 Die Lösung dieses Problems war für die Expertenvom IÖW denkbar einfach: Sie haben die Umweltwirkung „Flächenverbrauch“ in ihrer Sachbilanz zwar als „interessant“ verbucht, aber bei der Berechnung der Kosten einfach außen vor gelassen.7 Aus ihrer Sicht wird der Boden in der Landwirtschaft folglich ge- und nicht verbraucht. Im Prinzip trifft das auch für einen Golfplatz oder für ein Panzerübungs- gelände zu. Sogar im Falle des Straßenbaus ist der Boden immer noch vorhanden, wenn auch meist in versiegelter Form. Bloß: Wird durch die Beanspruchung von Fläche,selbst wenn sie nur gebraucht wird, etwa nicht wertvoller Naturraum belegt? Wie steht es beispielsweise mit dem Abholzen von Wäldern, um neue Acker- und Weideflächen zu gewinnen?
Saubere Bioschweine? >mehr
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Inhalt der Ausgabe
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Ökolandbau - Der Glaube stirbt zuletzt - Bioträume - Traumhaft: Bio ist gesund, oder? - Schnitzeljagd: Auf der Fährte der Ökobilanzen - Pack den Tiger in den Tank!?
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Facts und Artefacts & In aller Kürze - Hyperaktivität: Psychologen als Datenmasseure - Schweinchen schlau - Geblitzt Milch - Gene-Pharming: Auf den Geschmack gekommen - Probiotische Fan- tasien
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Der besondere Erkenntnis: - Zu warm geduscht
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Impressum
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