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Nonne

Ausgabe Eulenspiegel 6/2007
Ökolandbau S.18

Nonnenfürzle: Himmlischer Beistand für Biokost

Nonnenfürzle: Himmlischer Beistand für Biokost

von Tamás Nagy und Udo Pollmer

„Wirkt Nahrung ... auch auf die seelische und geistige Konstitution des Menschen?“ Um dieses Geheimnis zu lüften, hat der Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise eine Ernährungsstudie zu den tiefgründigen Effekten von biologischen Lebensmitteln gestartet.6 Schließlich hätten „nicht die Substanzen in den Lebensmitteln die wesentliche Bedeutung, sondern die Kräfte, die beim Verzehr dem Menschen vermittelt werden und ihn dadurch in Regsamkeit bringen“, so die Autoren. Weil diese Kräfte im Verdauungsprozess überwunden werden müssten, „wird Widerstand gegen die Eigennatur der Pflanze geleistet, was auch ein – meistens unbewusstes – seelisches Erlebnis im Innern auslöst.“ Wie zu erwarten, fand diese Studie ein beinahe ebenso lebhaftes Medienecho wie die Arbeiten von Velimirov. Sie gehört
seither zu den zentralen Beweis- und Werbemitteln der Branche.

Gesund gebetet
Da Untersuchungen dieser Art denkbar kompliziert sind, wählten die Bio-Seelen-Forscher eine besondere Zielgruppe, nämlich die Schwestern des Klosters Heiligenbronn im Schwarzwald. Bei den Probanden sollte „eine gewisse Offenheit für Spiritualität vorhanden sein, um Veränderungen im kognitiven wie auch möglicherweise im meditativen Bereich feststellen zu können“. Von den 70 Franziskanerinnen nahm fast ein Drittel an dem Versuch teil. Dieser war recht einfach: Der Koch des Hauses wurde angehalten, den konventionellen Speiseplan vier Wochen lang auf biologisch-dynamisch umzustellen. Dann wurden die Schwestern nach ihrem Befinden befragt.
„Um die Antworten der Fragebogenerhebungen nicht zu beeinflussen, wäre es am besten gewesen, wenn die Teilnehmer nicht gewusst hätten, Lebensmittel welcher Art sie aktuell verzehrten.“ Leider ging dieser fromme Wunsch nicht in Erfüllung: „Das Äußere dieser Lebensmittel machte diese Forderung jedoch unmöglich“, klagen die Versuchsleiter. Trotzdem schien ihnen „die Durchführung der Studie ... nicht beeinträchtigt, da die vor der Studie durchgeführten Gespräche ergeben hatten, dass die Teilnehmer den biologisch-dynamischen Lebensmitteln
gegenüber unvoreingenommen waren, ... Die Teilnehmer äußerten deutlich, ob ihnen etwas schmeckte oder nicht.“

Hahn im Korb?

Ob es wohl an ihrer Unvoreingenommenheit lag, dass die Schwestern bereits nach zwei Wochen „kräftigere Fingernägel“ und eine „weichere Haut“ verspürten? Oder dass sie sich nach vier Wochen Ernährungsumstellung „frischer“ und „vielseitiger interessiert“ fühlten? Fachmänner haben eine andere Vermutung: „Kritisch könnte gefragt werden, ob das verbesserte Wohlbefinden der Teilnehmer weniger mit der Umstellung der Ernährung zusammenhängt als vielleicht mit der Präsenz der Projektverantwortlichen im Kloster und das dadurch veränderte Alltagsleben der Schwestern.“
Nachdem objektive Messungen in Form von Bluttests, Denksportaufgaben und Stuhlproben keineÜberlegenheit von biologischer gegenüber konventioneller Kost ans Licht brachten, sehen sie ihre Ergebnisse allenfalls als vorläufig an: „Aber erst die Auswertung, wie sich die geistige Regsamkeit, die körperliche und seelische Befindlichkeit, die immunologischen Parameter und die Darmflora in Abhängigkeit von der Ernährung gegenseitig beeinflussen, wird eine abschließende Aussage hinsichtlich der Ernährungswirksamkeit ermöglichen.“ Bleibt nur zu hoffen, dass die vergeistigte Darmflora den Experten nichts hustet ...
 

Inhalt der Ausgabe

Ökolandbau
- Der Glaube stirbt
  zuletzt
- Bioträume
- Traumhaft:
  Bio ist gesund,
  oder?
- Schnitzeljagd:
  Auf der Fährte der
  Ökobilanzen

- Pack den Tiger
  in den Tank!?

Facts und Artefacts
& In aller Kürze

- Hyperaktivität:
  Psychologen als
  Datenmasseure
- Schweinchen
   schlau
- Geblitzt Milch
- Gene-Pharming:
  Auf den Geschmack
  gekommen
- Probiotische Fan-
  tasien

Der besondere
Erkenntnis:
- Zu warm geduscht

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